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Der Museumsbesuch in Bonn

von Georg Cloerkes und Conny Szypula

Nach einer Erkundungsfahrt in Bonn erhielt die Fachgruppe "Taubblinde und Hörsehbehinderte BSV NRW" die Möglichkeit einer taubblindengerechten Museumsführung im "Haus der Geschichte". Wer sich für die politische Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg interessierte, konnte an einer eintrittfreien Museumsführung teilnehmen. In diesem Museum durften verschiedene Gegenstände mit Handschuhen angefasst und ertastet werden. Historische Angaben, Daten und Hintergründe wurden mit Lormen oder taktilen Gebärden übermittelt.

Am 31. Oktober freuten sich schon 5 Taubblinde mit ihren 5 Assistenten und Begleitern aus Nordrhein auf dieses Ereignis und trafen sich an der U-Station "Heussallee/Museumsmeile" vor dem Eingang vom "Haus der Geschichte". Pünktlich konnte die Museumsführung beginnen. Die freundliche Museumsführerin, Frau Charlotte H., begrüßte die Gruppe und gab allen feine, weiße Handschuhe.

In der 1. Ebene stand ein "Militärjeep der amerikanischen Besatzungsmacht", wie Frau H. uns erklärte. Um den Jeep herum lagen verschiedene Trümmersteinmauern, so dass wir uns vorstellen konnten, wie die bombardierten Städte aussahen. Die Trümmersteine wurden von "Trümmerfrauen" in Kipploren abgeräumt. Eine solche Lore konnten wir ebenfalls ertasten. Wir kletterten hintereinander durch den abgeschnittenen Rumpf einer Luftfrachtmaschine, wobei wir verschiedene, hölzerne Kisten, Außenwände und Fenster abtasteten. Wir wunderten uns über eine dünne Außenwand des Flugzeuges, unsere modere Flugzeuge haben eine viel dickere Außenwand.

In der nächsten Ebene besichtigte die Gruppe das originale Bundestagsgestühl vom Aufbau der Bundesrepublik 1949. Hier durften wir uns setzen und uns wie ein Abgeordneter fühlen. Wir tasteten das bekannte Rednerpult ab, an dem der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer gestanden und gesprochen hat. Auch war der erste Dienstwagen, ein Mercedes des Bundeskanzlers zu sehen. Leider durften wir diesen Wagen nicht mit unseren behandschuhten Händen abtasten, stellten dafür viele Fragen. So erfuhren wir, dass das Fahrzeug nicht gepanzert und das Autokennzeichen 002 war; 001 hatte der Bundespräsident als Autokennzeichen.

Nun führte uns Frau H. in eine Eisdiele der 50er-Jahre. Hieran konnten sich viele von uns erinnern: Stühle, Tische, Musikbox, ja sogar ein Kinderwagen aus dieser Zeit waren uns bekannt. Ja und an einer solchen Eistheke haben wir als Kinder gestanden und uns auf ein leckeres Eis gefreut.

Nun gingen wir zu einem Gebäude am Grenzübergang Berlin-Friedrichstraße, zur deutsch-deutschen Teilung. Man ging durch einen schmalen Gang an Kontrolleuren vorbei durch eine Tür und war nicht mehr in der BRD, sondern in der DDR. Orden waren dort sehr wichtige Auszeichnungen. Diese wurden mit einer Ordenspresse hergestellt. Innerhalb einer Stunde wurden damit ca. 100 Orden produziert.

Nächste Station war das Absperrgitter von Wackersdorf als Symbol für die Protestbewegungen der 80er- Jahre und anschließend die Mauerelemente vom - Fall der Mauer - am 9. November 1989.

Nach einer zweistündigen Führung und beeindruckt vom Erlebten gingen die Taubblinden mit ihren Begleitern ins Museums­restaurant, um sich beim Essen und Trinken zu stärken. Es wurde vergnügt "geplaudert".

Danach fuhr die Gruppe mit der U-Bahn ein Stück in Richtung Bad Godesberg. Zwischen Bonn und Bad Godesberg stiegen wir aus und gingen zum Rheinufer. Von hier aus konnten die Taubblinden mit dem Langstock alleine den ca. 5 km langen Wanderweg gehen. Es gab keine Hindernisse oder öffentlichen Verkehr, sodass alle bei trockenen und herbstlichen Wetter den gut asphaltierten Weg zügig gehen konnten, indem sie sich an Leitlinien orientierten. Es machte Spaß mit dem Langstock durch die Blätter zu schwenken. Als wir die Rheinpromenade bei Bad Godesberg erreichten, blickten wir zum schönen Siebengebirge hinüber, das im milden Sonnenschein lag.

Bei der Fähre zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf steht das kleine, schöne Restaurant "Bastei". Hier kehrte die Gruppe ein und unterhielt sich fröhlich und gemütlich bis Sonnenuntergang bei Kaffee, Eis und Kuchen.

Es war ein gelungener, schöner Tag, den die Fachgruppe Taubblinde und Hörsehbehinderte BSV NRW mit einem taubblindengerechten, interessanten Museumsbesuch erfolgreich durchgeführt hat.

Die Interessierten der deutschen Geschichte sollten einen weiteren Besuch im "Haus der Geschichte" machen, es gibt noch viel zu erkunden in diesem Museum.

Kommentar von Lilo Binzenbach:

Es war ein erlebnisreicher und lehrreicher Tag. Ein Dank an den Ausflugsorganisator der Fachgruppe Georg Cloerkes und seiner Taubblindenassistentin Conny Szypula für die gute Organisation. Ebenfalls ein Danke an die Assistenten, die uns die Teilnahme an diesem Tagesangebot, sei es Museumsbesuch als auch die Wanderung ermöglichten. Ihr seid einfach Klasse!