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Idylle in der Eifel

Ausflug am 28. Juli 2008
von Georg C.

Eines Tages unternahmen meine hörende Taubblindenbegleiterin Britta und ich eine vereinbarte Erkundigungsfahrt, um einen bestimmten Ausflug veranstalten zu können. Ich selbst erinnerte mich an meine frühere Klassenfahrt zum Rheinischen Freilichtmuseum Kommern in der Eifel. Als wir im Freigelände ankamen, konnte ich mich wegen meines Sehverlustes schwieriger als damals orientieren. Glücklicherweise konnte meine Begleiterin mich führen. Ich wunderte mich, dass sie eine kleine Kapelle auf einem Museumsführungsplan nicht finden konnte, die ich mit Freude wieder erkennen wollte. Nach einer Wegbeschreibung von einem behilflichen Kellner begaben wir uns endlich zur Kapelle, um einen Platz für das Sommertheater der SHG Köln zu inspizieren.

Am 28. Juli fand der große Sommerausflug der SHG Köln "Taktiler Treff" statt. Mitten in der Haupthalle des Kölner Hauptbahnhofes trafen sich 12 Teilnehmer und begrüßten sich, bevor wir mit dem Regionalzug in Richtung Trier fuhren. In Mechernich bei Euskirchen mussten wir in wenigen Minuten umsteigen, wobei wir 2 weitere Teilnehmer Lilo Binzenbach und ihren Begleiter trafen. Nach kurzer Busfahrt begannen wir in dem malerischen Dorf Kommern bei leichtem Regen zu wandern. Wir gingen über eine Landstraße, dann über einen grasbewachsenen Feldweg, auf dem wegen des Regens viele Schnecken krochen. Weiter gingen wir auf einem bequemen asphaltierten Weg leicht bergaufwärts zum Waldrand, hinter dem sich eines der größten Freilichtmuseen Europas befindet. Beim Eingang schlossen sich der SHG-Leiter Uwe Zelle und 5 weitere Teilnehmer unserer Gruppe an, bevor eine freundliche Museumsführerin uns alle begrüßte. Es waren nun gesamt 20 Teilnehmer. Mittlerweile hörte es auf zu regnen. Die Führerin zeigte vieles, was zu dolmetschen, zu sehen und zu ertasten war. In einem alten Fachwerkhaus besichtigten wir eine karge Küche mit offenem Kamin und betraten einen kleinen halbdunklen Wohnraum. Darin steht ein merkwürdiges Bett in einem geöffneten Schrank. Die Führerin erklärte dabei, dass die Bauerneheleute darin halb sitzend schliefen, weil sie aufgrund der feuchten Atemluft oft Atemmangel und eine abergläubische Angst vor möglichem Tod hatten. Währenddessen gebärdete eine gehörlose Frau mir taktil und lormend und anschließend führte sie meine Hand zum Ertasten des Bettes mit geöffneten Türen. Das Wetter wurde herrlicher und sonnig. In einer kleinen Schule konnten wir die altdeutsche Schrift auf der Schiefertafel studieren, wobei meine Hand interessant beim Schreiben geführt wurde. Unter dieser Schule roch es nach frischem Brot in einer im Betrieb befindlichen Bäckerei. Da gab es ein Stück Brot mit Streusel zur Probe. Wir besuchten unterwegs einen schönen Hof eines reichen Bauers, wo die steinerne Schwelle der Haustür viele Jahre abgebröckelt war. Darauf wurden die Betroffenen und ich hingewiesen, um Stolpern zu vermeiden. Zum Schluss der Führung betrachteten wir eine alte Richtersäule im Freien. Die Führerin erklärte dabei, dass ein streitsüchtiger Angeklagter als Strafe an dieser Säule für einen halben Tag gefesselt wurde. Nach der 2,5 stündigen Führung gingen wir entspannt zur Gastwirtschaft "zur Post", wo wir uns beim Trinken und Essen vergnügten.

Neben der Kapelle bildete eine Bank unter Bäumen einen Theaterplatz im Freien, wo die Zuschauer nebeneinander im Halbkreis standen. Ich selbst hatte ein ideales "Taktil-Showing" für eine Integration von Taubblinden, Gehörlosen und Hörenden erfunden und dabei ein humorvolles Theaterprogramm "Das Leben der Blinden" aufgeführt. Als Pantomime spielte ich mit einem Zuschauer bei jeder Szene langsam und schnell ohne Lormen und Fingeralphabet, indem er meine Hände locker mitführte, bevor eine Vorsprecherin jede Szene vorlas. Die fünf Szenen hießen "Im Handumdrehen", "Mist", "Feuer, Feuer, Feuer", "Industrialisierung und Sozialismus" und schließlich "Herzenslust". Wer zuletzt lacht, ist am besten. Bei der letzten Szene spielte ich als der aufgeregte Bräutigam. Nachdem ich Tanzen, Winken, Essen, Trinken und Nervosität geschildert hatte, zeichnete ich mit den Händen einer Mitzuschauerin ein Herz auf meiner Brust. Dann führte ich sie gehend zu einem draußen stehenden Abort eines alten Fachwerkhauses, dessen Tür ein herzförmiges Fensterchen hat. Alle Zuschauer lachten und applaudierten heftig.

Bei freier Verfügung konnten wir eine alte Windmühle besichtigen und ein kleines Geschäft anschauen. Beim Ausgang verabschiedeten wir uns voneinander und wanderten bergabwärts nach Kommern zurück. Das Wetter wurde ganz wolkig bedeckt und kühler. Das Rheinische Freilichtmuseum gilt als ein wichtiger Ausflugsort für Usher-Gehörlose und Taubblinde, weil es keine Unfallgefahr durch Auto und Fahrrad gibt. Keiner der Teilnehmer sagte etwas anderes als Lob für unseren Ausflug.